Kaufmännische Leiterin und Prokuristin

Aneta Redmann

Steckbrief

  • Alter: 52
  • Beruf: Kaufmännische Leiterin und Prokuristin bei der Meyer Technik Unternehmensgruppe
  • Berufsausbildung:
    Bilanzbuchhalterin
  • Hobbies:
    Bewegung

Fünf Fragen an Aneta Redmann

1

Wer oder was hat dich auf deinem Berufsweg geprägt?

Um mich beruflich weiterzuentwickeln bin ich mit 18 Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen. Die Perspektivlosigkeit in Polen war mein Antriebsmotor, diese schwere Entscheidung zu treffen. Obwohl ich die Sprache noch lernen musste, habe ich schnell gemerkt, dass die Berufssprache die gleiche ist. Das „Soll und Haben“ habe ich in Polen bereits mehrere Jahre schulisch erlernt und konnte in Deutschland gleich daran anknüpfen. Diese Erkenntnis hat mich stets motiviert weiterzumachen und mir etwas aufzubauen.

2

Kannst du behaupten, dass du dich beruflich verwirklichen konntest?

Bevor ich da stand, wo ich heute stehe, habe ich viel ausprobiert. Nach meiner Ausbildung zur Industriekauffrau in einer Delmenhorster Möbelfabrik, hatte ich verschiede berufliche Stationen in Hamburg und hier in der Region. Ich habe in der Industrie, in inhabergeführten und in staatlichen Unternehmen gearbeitet. Mir war dabei immer klar, dass die Buchhaltung mein Fachgebiet ist und musste für „mein Schiff“ nur noch den richtigen „Hafen“ finden. Nach mehreren Stationen und beruflichen Erfahrungen habe ich für mich entschieden, dass mir das Arbeiten in einem inhabergeführten Unternehmen am meisten Freude bereitet und ich mich da verwirklichen kann und die Anerkennung für meine Arbeit erhalte.

3

Welche Schwierigkeiten oder Hindernisse hast du auf deinem Berufsweg überwunden?

Mein Migrationshintergrund und die damit verbundene deutsche Sprache haben mir nur zu Beginn Schwierigkeiten bereitet. Da für mich immer klar war, ich gehe und es gibt kein Zurück, war ich motiviert zu lernen und mich zu integrieren, um mir etwas aufzubauen. Ich habe mir Jobs gesucht, wo ich auch die polnische Sprache für die Arbeitgeber nutzen konnte.
Eine weitere Schwierigkeit war die Betreuungsstruktur in Deutschland. Ich bin Mutter von zwei Töchtern (heute 18 und 13 Jahre) und war es aus dem sozialistisch geprägten Polen gewohnt, dass es eine Infrastruktur gibt, die es Frauen ermöglicht gleichzeitig Arbeitnehmerin und Mutter zu sein. In meiner Wahrnehmung hat das Geschlecht in Polen weniger eine Rolle gespielt, Frauen haben „männertypische Jobs“ gelernt und ausgeführt.
Ich habe für mich immer klar getrennt: Auf der Arbeit bin ich die Buchhalterin und im privaten bin ich die Mutter. Dabei habe ich aufgepasst, dass sich die beiden Bereiche nicht allzu sehr vermischen.
Einher geht damit auch das Thema Frauen in Führung und dann auch in Teilzeit. Auf allen Ebenen zu überzeugen, dass auch in Teilzeit gut geführt werden kann, war ein Prozess. Durch das Vertrauen in meine Fähigkeiten und Kompetenzen durch meinen Arbeitgeber konnte und kann ich meine Rolle sehr gut erfüllen.

4

Was muss sich ändern damit mehr Frauen ihre beruflichen Wünsche erfüllen und umsetzen können?

Es muss selbstverständlicher werden, dass Positionen unabhängig vom Geschlecht oder der familiären Situation besetzt werden. Wichtig sind die geeignete Qualifikation, die Fähigkeiten und die Passgenauigkeit für den Job. Es muss ein funktionierendes System im Hintergrund geben, damit gerade Frauen sich im Arbeitsumfeld ausschließlich auf den Job konzentrieren können und nicht mit den Gedanken halb bei den Kindern oder der Familie sind.

5

Was kannst du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Sei mutig und denke an dich selbst. Veränderungen sind immer auch neue Chancen im Leben und im Beruf. Auch ungerade Wege bringen einen durch die erlebten Ereignisse und Erfahrungen weiter.
Außerdem ist es nie zu spät etwas Neues zu beginnen. Man sollte an seinen Träumen festhalten und einfach mal machen.

Das Interview führte Julia Bäcker. Fotos: Björn Knölke

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