Elektronikerin für Automatisierungstechnik, 3. Ausbildungsjahr

Frederieke Bootsmann

Steckbrief

  • Alter: 22
  • Beruf: Elektronikerin für Automatisierungstechnik, 3. Ausbildungsjahr
  • Immer wieder dieser Satisfying-Moment – ich bin in meinem Element!

Hermes Systeme

Wildeshausen

Das Familienunternehmen Hermes Systeme mit Sitz in Wildeshausen wurde 1985 gegründet. Ingo Hermes führt das Unternehmen, das heute über 250 Mitarbeiter*Innen beschäftigt, in zweiter Generation. Das Unternehmen entwickelt an 5 Standorten in Deutschland innovative und hochkomplexe Lösungen in der MSR- und Automatisierungstechnik für Industrie-, Schwimmbad-, Kläranlagen, Kälte-, zentrale Leittechnik und IT. Pro Jahr werden ca. 10 Personen in unterschiedlichen Berufen ausgebildet, vornehmlich in der Elektrotechnik. Der Betrieb wurde in den vergangenen Jahren mehrfach für seine herausragende Ausbildungsleistung geehrt und erhielt im Jahr 2018 den im Mittelstand begehrten „Großen Preis des Mittelstandes“.

„Ich war das einzige Mädchen im Technikkurs, das hat mich nie gestört!“

Fünf Fragen an Frederieke Bootsmann

1

Der Weg in einen frauenuntypischen Beruf – wie war der und wie kam es dazu?

In der 5. Klasse musste ich eine Fremdsprache wählen oder einen Wahlpflichtkurs machen. Ich wollte auf keinen Fall eine Fremdsprache. Textil hätte ich noch wählen können, aber zu Technik hatte ich viel mehr Lust, also entschied ich mich für Technik. Ich war das einzige Mädchen im Kurs. Das hat mich nie gestört. Da haben wir gebastelt und gebaut – hier mit Strom, da mit Batterien. So habe ich das Interesse dafür entwickelt. In der 9. Klasse machte ich ein Praktikum beim Schuster, dann eines bei Hermes Systeme über vier Wochen und dann noch eines in der Fernsehtechnik. Bei meinem Praktikum bei Hermes, da habe ich gemerkt, das ist genau mein Ding. Ich dachte: „Das ist der Hammer hier, hier möchtest Du unbedingt anfangen!“ Meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt, die fanden das toll. Und dann ging es immer so weiter. Ich machte mein erstes Lehrjahr schulisch, hier in Wildeshausen an der BBS. Da kam dann diese spezielle Richtung rein, dass ich in die Automatisierungstechnik gehen wollte. Auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb hat mich mein Lehrer gut unterstützt. Ich sei wirklich gut, meinte er, ich solle mich mal bei Hermes bewerben, die bildeten aus. Zuerst hatte ich mächtig Respekt, „das ist ein großer Betrieb“, dachte ich, ich konnte das nicht so richtig einschätzen, aber dann habe ich mich beworben. Den Platz zu bekommen war kein Problem.

2

Eine Handwerksausbildung in einem Bereich, in dem überwiegend Männer sind, wie haben Sie das erlebt?

Ich bin die erste und einzige Frau, die bei Hermes die Ausbildung als Elektronikerin für Automatisierungstechnik angefangen hat. In der Berufsschulklasse sind wir nur zwei Mädchen, da ist es erst recht wichtig zusammenzuhalten, das ist ein totales Frauenpowerding, wir unterstützen uns gegenseitig, es ist keine Konkurrenz zwischen uns. Als ich die Ausbildung angefangen habe, war ich wahnsinnig nervös, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Ich wusste wohl, dass relativ viele Männer da rumlaufen, aber das hat mich noch nie gestört. Je mehr ich lernte, desto mehr war ich in meinem Element. Es liegt mir einfach, auch wenn es erst mal nur Strom und Spannung ist, aber die Möglichkeiten damit sind unendlich. Innerhalb des betrieblichen Alltags und weil mir von Anfang an viel zugetraut wurde, was etwas sehr Wichtiges ist, hat sich die Faszination des Berufes für mich weiter erschlossen.

3

Eine Frau in einer Männerdomäne: Wie haben Sie sich die Anerkennung der männlichen Kollegen gesichert? Sind Sie Klischees begegnet?

Man ist noch sehr jung, man muss mutig sein, darf sich nicht alles gefallen lassen, sollte sich aktiv einbringen, einen Standpunkt einnehmen, egal, ob Auszubildende oder Gesellin. Natürlich kommen auf der Baustelle auch mal Sprüche zum Beispiel „Wo ist Deine Küche“, damit muss man umgehen lernen, meistens ist es nicht so ernst gemeint, Späße untereinander gehören dazu, aber als Frau darf man sich auch nicht alles gefallen lassen und muss sich auch mal durchsetzen, sowie die eigenen Ziele im Blick behalten. Und die männlichen Kollegen lernen, dass man mit uns Frauen auch nicht übervorsichtig umgehen muss und wir nicht in Watte gepackt zu werden brauchen. Hilfe zu holen ist aber auch wichtig und ok, auch dazu sollte man sich als Frau nicht zu schade sein. Ich habe erlebt, dass man schnell respektiert wird, wie man ist.

4

Was ist das Spannende an Ihrem Beruf?

Es gibt so viele unterschiedliche Bereiche, Aufgaben und Tätigkeitsbereiche. Der Beruf ist unglaublich vielfältig mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten im Technikbereich. Im Betrieb geht es trotz seiner Größe familiär zu und man gibt aufeinander acht. Und dann gibt es für mich immer wieder diesen „satisfying moment“, wenn die Leitungen so richtig schön clean zu einem Bund laufen, so richtig gerade, das ist so schön, wenn man mit allem fertig ist und Du denkst: „Wow, wie cool ist das denn!“

5

Was müsste sich verändern, damit mehr Frauen in diese Berufe gehen und ihre Chancen hier erkennen. Was würden Sie Frauen mit auf den Weg geben?

Viele Frauen wissen gar nicht, dass der Männerberuf für Frauen toll ist und dass es keine Hürden gibt, wenn es der richtige Betrieb ist. Das müsste viel öfter gezeigt werden. Frauen sollten auch mutiger werden und es sich zutrauen, mutig bleiben und sich nicht abschrecken lassen oder aufgeben, auch wenn es mal nicht der richtige Betrieb ist. Handwerk ist auch nicht nur ein Knochenjob, wo man ständig draußen auf der Baustelle ist und schwer schleppen muss. Ich habe zum Beispiel noch nie so eine Schlitzfräse in der Hand gehabt, weil wir eben Mess- und Regeltechnik machen, wir machen viel in den Schaltzentralen, da baut man es eben nicht in die Wände ein. Wichtig ist, dass die Augen anfangen zu leuchten und man weiß, wo will man hin, dann klappt das auch und man findet einen Weg dahin. Dann kann Frau viel erreichen – egal ob in einem vermeintlich klassischen Frauen- oder Männerberuf.

Das Interview führte: Claudia Körner
Fotos: Raissa Wischnewski

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