Stellvertretende Geschäftsführerin und Leitung Tourismusmarketing
Iris Gallmeister

Steckbrief
Fünf Fragen an Iris Gallmeister
Wer oder was hat dich auf deinem Berufsweg geprägt?
Ich vermute, dass mein Elternhaus und besondere Menschen, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin, mich geprägt und vorangebracht haben. Aufgewachsen bin ich in einer sehr lebhaften Familie, in der viel, manchmal auch heftig und laut, diskutiert, aber auch gelacht wurde. Wir haben viele Ausflüge mit dem Fahrrad und dem ÖPNV in die nähere Umgebung gemacht, weil wir kein Auto hatten. In den Urlaub ging es mit dem Zug in die Berge und es wurde gewandert.
Weiterhin sehr prägend waren sicher mein Pastor im Rahmen des Konfirmandenunterrichts und zwei Lehrer, die mich in meiner Entwicklung sehr unterstützt haben. Geografie und Deutsch waren meine Lieblingsfächer und außerdem wollte ich von zuhause ausziehen und da bot sich ein Lehramtsstudium in Göttingen an. Danach bin ich dann nach Frankfurt gezogen, weil Freunde dort wohnten und ich das Unterrichten ausprobieren wollte. Ich hatte ein tolles Jahr bei inlingua in Frankfurt und habe dort Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Mit dem Gefühl, dass das Unterrichten mir Spaß macht, bin ich dann ins Referendariat gegangen. Allerdings war mir zum einen nicht klar gewesen, wie anstrengend die Kommunikation mit Schülern, Lehrerkolleg*innen und Eltern sein kann und zum anderen, wie die vorgegebenen Rahmenbedingungen und Curricula mich einengten. Trotz manch schöner Unterrichtsstunden ging es mir immer schlechter und mir wurde mit Hilfe langer Gespräche mit meinem damaligen Freund klar, dass ich diesen Job nicht ein ganzes Berufsleben lang durchhalten würde.
Weil ich Erholung und Bedenkzeit brauchte und mich in Richtung Tourismusbranche orientieren wollte, nahm ich die Chance war und arbeitet ein Jahr lang in Portugal bei einem Reiseveranstalter als Reiseleiterin. Noch immer schlug auch das pädagogische bzw. sozialpädagogische Herz in mir. Nach dem Jahr in Portugal arbeitet ich mehrere Jahre im sozialpädagogischen Bereich und betreute Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Asylsuchende und absolvierte mehrmonatige Praktika beim Hessischen Tourismusverband und einem Regionalverband, wo ich mich sehr mit den Themen Tourismus, Naherholung, Schutzgebiete, Naturpark und Regionalentwicklung auseinandersetzte.
Mit meinem jetzigen Ehemann zog ich nach Norddeutschland zurück und in einer Sitzung des Kommunalverbunds Niedersachsen/ Bremen e.V. bekam ich Kontakt zu Personen aus dem Landkreis Oldenburg. Ich erfuhr von der geplanten Einrichtung einer Stelle im Bereich Tourismusmarketing im Naturpark Wildeshauser Geest. Diese Aufgabe reizte mich sehr. Berufsbegleitend hatte ich ein zweijähriges Fernstudium zur staatlich anerkannten Tourismusreferentin absolviert. Ich bewarb mich auf die ausgeschriebene Stelle und hatte Glück!
Kannst du behaupten, dass du dich beruflich verwirklichen konntest?
Rückblickend kann ich diese Frage mit ja beantworten. Die mehr als 25-jährige Tätigkeit beim Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest mit seinen vielfältigen Themen war und ist sowohl herausfordernd als auch sinnstiftend für mich. Ich hatte das große Glück, dass ich mit meiner Arbeit sehr viel Einfluss auf die Weiterentwicklung des Naturparks nehmen konnte. Finanzielle Erwägungen waren für mich dabei zweitrangig, denn bezahlt worden wäre ich als Lehrerin sehr viel besser. Ich habe in den Jahren zuvor in unterschiedlichen pädagogischen und touristischen Bereichen gearbeitet, bei denen ich letztendlich genau die Kenntnisse und Fähigkeiten erworben habe, die ich für die Naturparkarbeit brauchte. Insbesondere die vielen unterschiedlichen Menschen, mit denen ich beruflich zu tun hatte, haben meine Arbeit immer sehr bereichert.
Welche Schwierigkeiten oder Hindernisse hast du auf deinem Berufsweg überwunden?
Das schwierigste war überhaupt herauszufinden, welche Berufe es gibt und welche Qualifikationen dafür notwendig sind. Hinzu kam, dass ich zu der Generation der Babyboomer gehöre und es deshalb mit sehr viel Anstrengung verbunden war, neben 50 bis 100 Bewerbungen aufzufallen. Die Konkurrenz war groß und gefragt waren eher die klassischen Lebensläufe. Auch, ohne darauf weiter eingehen zu wollen, war die Gleichbehandlung von Mann und Frau bei vielen männlichen Arbeitgebern noch nicht sehr weit fortgeschritten, was durchaus spürbar war. Ich hätte mir insgesamt während meines beruflichen Lebens mehr Anerkennung gewünscht, dann wäre einiges leichter gewesen.
Was muss sich ändern damit mehr Frauen ihre beruflichen Wünsche erfüllen und umsetzen können?
Personalverantwortliche sollten lediglich nach geeigneter Qualifikation, interessanten Lebensläufen und Persönlichkeit und nicht nach Geschlecht entscheiden. Meiner Meinung nach sind Vorstellungsgespräche oftmals zu kurz, um einen Menschen auch nur annähernd kennen zu lernen. Es muss ausreichende und zeitlich flexible Kinderbetreuungsplätze geben. Auf ihrem gesamten Lebensweg müssen Mädchen und Frauen die gleiche Anerkennung wie Jungen und Männer bekommen, damit das Selbstbewusstsein gestärkt wird, denn starke Frau machen das Leben bunt!
Was kannst du anderen Frauen mit auf den Weg geben?
Traut euch auch unbequeme Wege zu gehen. Sie haben alle einen Sinn. Wenn ihr etwas ganz stark wollt, lasst es euch nicht ausreden. Hört aber auf gute Argumente. Es sind immer andere Menschen, die einen weiterbringen. Geht deshalb viel in den Austausch, lasst euch beraten. Um ein glücklicher Mensch zu sein, brauche ich die Natur, die Bewegung, meinen Mann, gute Freunde und nette Kolleg*innen. Das kann für jeden etwas Anderes sein. Es braucht immer einen guten Ausgleich zur Arbeit, hilft bei negativem Stress oder wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Und sucht euch eine für euch sinnvolle Arbeit, auf die ihr euch freut und wo das Arbeitsklima gut ist!

Iris Gallmeister im Gespräch mit Julia Bäcker
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