Professorin für User Experience Design

Jutta Fortmann

Steckbrief

  • Alter: 36
  • Beruf: Professorin für User Experience Design
  • Berufsausbildung:
    Studium und Promotion in Informatik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Hobbies:
    Zumba, Sport, Reisen

Fünf Fragen an Jutta Fortmann

1

Wer oder was hat dich auf deinem Berufsweg geprägt?

Mein Interesse für Elektronik und Computer begann schon früh. Als Fünfjährige war ich von einem
Lerncomputer begeistert, der per Lochkarten bedient wurde. Als junge Schülerin später baute ich dann mein
erstes Radio mit einem Elektronikbaukasten. Fasziniert haben mich immer andere Kinder -allesamt Jungs-, die
spannende Dinge mit Computern gemacht haben. Mit 14 erhielt ich über meinen damaligen Freund
praktischen Einblick in das Hacking, was ich sehr aufregend fand, und lernte, wie ich meine eigene Webseite
erstelle. Etwas später begann ich dann, an unserem Computer herumzuschrauben und mich intensiver mit
Hardware auseinander zu setzen. Seitens meiner Familie gab es keine Anknüpfungspunkte. Wir haben
zuhause erst Ende der 90er Jahre – da war ich bereits junge Teenagerin - unseren ersten Computer
bekommen und den durfte ich anfangs nur unter Aufsicht benutzen, um nichts „kaputt zu machen“. Trotz
meines großen Interesses für Computer, habe ich mich erst mit etwa 18 Jahren bewusst für ein
Informatikstudium entschieden. Zu der Zeit lernte ich meinen Ehemann kennen, der damals Informatik an der
Universität Oldenburg studierte. Er überzeugte mich schließlich, ebenfalls in Oldenburg ein Informatikstudium
zu beginnen. Getrieben durch mein Interesse für die Interaktion zwischen Menschen und Computern begann
ich nach meinem Studium eine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am OFFIS Institut für Informatik in
Oldenburg. Dort lernte ich meine spätere Doktormutter kennen, die als erfolgreiche Frau in der Informatik
und Wissenschaft und zugleich glückliche Mutter nach wie vor ein besonderes Vorbild ist. Nach einigen Jahren
in Forschung und Lehre schloss ich schließlich meine Promotion zur Doktorin der Ingenieurwissenschaften ab.
Nach dieser intensiven Zeit begab ich mich allein auf eine fünf-wöchige Rucksackreise durch Neuseeland.
Diese eindrucksvolle Zeit war für mich sehr wertvoll und half dabei, eine Lebensphase zu reflektieren und mir
meiner Wünsche und Vorstellungen für die Zukunft bewusst zu werden.

2

Kannst du behaupten, dass du dich beruflich verwirklichen konntest?

Ich arbeite in Teilzeit und mein Mann in Vollzeit. Da ich im Fernstudium arbeite, ist mein Arbeitsplatz bei mir
zuhause. Bevor ich mich an den Schreibtisch setze, bringe ich unseren Sohn (4 Jahre) mit dem Fahrrad zum
nahegelegenen Kindergarten. Zeitgleich bringt mein Mann unsere Tochter (2 Jahre) zur Kindertagesstätte, die
neben seinem Büro liegt. Bis mittags arbeite ich in meinem Büro zuhause. Da ich alle Tätigkeiten online
ausführe, finden Besprechungen ausschließlich als Videokonferenzen statt. Um 14 Uhr hole ich unseren Sohn
aus dem Kindergarten ab. Zuhause treffe ich dann auf meinen Mann und unsere Tochter, die dann auch
gerade nach Hause kommen. Am Nachmittag kümmere ich mich um beide Kinder, während mein Mann im
Home Office arbeitet. Etwa zwei Mal die Woche arbeite ich zusätzlich abends ab 18 Uhr. Dann finden
regelmäßige Tutorien statt. An diesen Abenden gibt es meist einen fliegenden Wechsel, bei dem ich die
Kinder meinem Mann übergebe und mich an den Schreibtisch setze. An den freien Abenden machen mein
Mann und ich abwechselnd Sport. Stehen Nachmittagstermine oder zusätzliche Arbeiten an, muss ich eine
Kinderbetreuung organisieren. Bestenfalls springen dann meine Eltern oder meine Schwiegermutter ein, die
glücklicherweise in Oldenburg und Bad Zwischenahn wohnen. Wenn das nicht möglich ist, versucht mein
Mann Zeit freizuräumen, damit er sich um die Kinder kümmern kann. Gegen 20 Uhr ist bei uns in der Regel
Feierabend. Entweder beende ich dann meine Arbeit als Professorin, habe die Kinder ins Bett gebracht, oder
komme vom Sport nach Hause. Übriggebliebene Hausarbeiten erledigen mein Mann und ich, wenn die Kinder
im Bett sind. Mit zwei kleinen Kindern muss der Alltag gut organisiert sein. Wird ein Kind krank oder die
Betreuung fällt aus, bedeutet das für meinen Mann und mich meistens Stress. Wir versuchen die Betreuung
dann gleichmäßig untereinander aufzuteilen, damit bei keinem von uns die Arbeit zu sehr leidet.

3

Welche Schwierigkeiten oder Hindernisse hast du auf deinem Berufsweg überwunden?

Der wissenschaftliche Karriereweg muss sicherer und familientauglicher werden. Befristete Verträge ohne
sichere Perspektive verbunden mit hohen Anforderungen und notwendigen Ortswechseln über weite
Distanzen erschweren es besonders Frauen, Karriere und Familie zu vereinbaren.
Kinderbetreuungszeiten müssen flexibler werden und für jedes Kind muss ein Betreuungsplatz in der Nähe
des Elternhauses sichergestellt sein. In Betrieben muss Gleichberechtigung noch mehr gelebt werden. Z.B.
muss es selbstverständlich sein, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer längere Elternzeiten nehmen.
Eltern sollten gleichberechtigt und offen über ihre Wünsche bzgl. ihres jeweiligen Anteils an Care-Arbeit und
erwerbstätiger Arbeit sprechen. Kinderkranktage sollten von beiden Elternteilen gleichmäßig genutzt werden
und nicht nur zu Lasten eines Elternteils gehen.

4

IT-Branche: Wo siehst du die Chancen für Frauen und/oder was muss sich ändern, damit mehr Frauen
dieses Fachgebiet wählen?

Eine Programmiersprache zu erlernen ist vergleichbar damit, eine Fremdsprache zu lernen. Eine
Programmiersprache verfügt wie eine natürliche Sprache über ein bestimmtes Vokabular, eine Syntax und
folgt einer festgelegten Grammatik. Neuere Untersuchungen zeigen, dass sprachliche Begabung als
Voraussetzung für Programmiertätigkeiten deutlich wichtiger ist, als mathematisch-logische Fähigkeiten. In
der Informatik ist viel Raum für Kreativität, sowohl in der Konzeption und Implementierung von Softwareund
Hardware-Lösungen, als auch in der Gestaltung von Nutzerschnittstellen.
Gesellschaftliche Themen stehen zunehmend im Fokus von Informatik-Lösungen. Viele Frauen möchten sich
gerne für die Gesellschaft einsetzen. Hier bietet die Informatik viele Anknüpfungspunkte. Gerade auch das
Fachgebiet Mensch-Computer-Interaktion bietet sehr viele spannende Forschungs- und Handlungsfelder, bei
denen Technologien immer Hand in Hand mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten
betrachtet werden.

5

Was kannst du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig, dass wir für Gleichberechtigung einstehen und nicht müde werden, auf Missstände aufmerksam
zu machen. Ich denke, dass viele Frauen im Beruf selbstbewusster sein und sich mehr zutrauen sollten, gerade
in vermeintlichen Männerdomänen. Dabei hilft es, sich seiner negativen Glaubenssätze bewusst zu werden
und sie aufzulösen. Häufig hindern uns Sätze, die wir in der Kindheit aufgenommen haben, ein Leben lang. Das
können z.B. Sätze sein wie: „Frauen müssen sich um Haus und Kinder kümmern, während Männer das Geld
verdienen.“, oder „Technik ist nur `was für Jungs!“, oder „Ich kann kein Mathe!“.

Das Interview führte Julia Bäcker. Fotos: Björn Knölke

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