Mechatronikerin im KfZ-Handwerk, 1. Ausbildungsjahr
Maja Langmayr

Steckbrief
Fünf Fragen an Maja Langmayr
Der Weg in einen frauenuntypischen Beruf – wie war der und wie kam es dazu?
Mein Vater hat immer hobbymäßig am Auto herumgeschraubt, da durfte ich nicht nur zugucken, sondern halten, schrauben und helfen. Ich war zehn Jahre alt, als ich mit meinem Vater am Wagen meiner Großmutter die Reifen gewechselt habe, da wusste ich, so was will ich später mal machen. Ein anderer Beruf kam für mich nie in Frage.
Während der Schulzeit war ich immer gut in Mathe und Physik, das waren meine Lieblingsfächer und ich habe mehrere Praktika in verschiedenen Betrieben absolviert. Die Firma Ordemann kannte ich gar nicht. Bei einem Praktikum in einer anderen KfZ-Werkstatt meinte ein Lehrling zu mir, ich solle mal zu Ordemann gehen, der Betrieb wäre gut. Dann habe ich dort ein Praktikum gemacht und danach hatte ich den Ausbildungsvertrag in der Tasche.


Ausbildung in einem typischen Männerberuf – wahrscheinlich als eine von wenigen oder einzige Frau in der Berufsschulklasse – wie haben Sie das erlebt?
Ich bin hier die erste weibliche Auszubildende, es gibt im Betrieb noch jeweils einen Lehrling im zweiten und dritten Ausbildungsjahr. Und in meinem Freundinnenkreis bin ich auch die einzige, die so einen Beruf lernt. Ich kenne auch keine sonst, die einen handwerklichen Beruf erlernt. In meinem Umfeld fanden das alle cool, und manche meiner Freundinnen meinten, da würden sie dann künftig zu mir kommen, damit ich ihre Autos repariere. In der Berufsschule sind wir zwei Frauen im ganzen Jahrgang. Es läuft zwischen uns Frauen und im Zusammenspiel mit den Jungs in der Klasse sehr entspannt. Ich habe überhaupt kein Problem damit, eine von wenigen zu sein.
Eine Frau in einer Männerdomäne: Wie haben Sie sich die Anerkennung der männlichen Kollegen gesichert? Sind Sie Klischees begegnet?
Es gibt keinerlei Probleme zwischen meinen Kollegen und mir und sowohl hier als auch in der Berufsschule wurde ich super aufgenommen. Es gab auch keine blöden Sprüche in meine Richtung. Im Betrieb läuft das Miteinander reibungslos, man kannte mich ja schon aus dem Praktikum und wusste dann, dass man miteinander klarkommt und wie die Chemie ist. Vorurteile von männlichen Kollegen gibt es sicher, vor allem am Anfang, aber wenn man sich anstrengt und gut nachdenkt, dann schafft man das auch. Das war hier aber nie ein Thema. Ich wurde als erstes zur Seite genommen und meine Kollegen habe mir gesagt: „Hey, wir sind ein bisschen verrückt und machen auch mal lustige Sprüche, nimm das nicht so ernst!“ Das habe ich auch so umgesetzt. Erst hieß es, man guckt nur zu, aber dann ging es sehr schnell, dass ich selbst machen durfte, mir wurde alles gezeigt und auch ganz in Ruhe erklärt. Und ich wurde immer dazu ermuntert, wenn etwas unklar ist oder ich Hilfe brauche, solle ich mich melden. Diese Unterstützung habe ich dann auch immer bekommen.
Was ist das Spannende an Ihrem Beruf?
Das Spannende an dem Beruf ist seine Vielfalt, mal ein Räderwechsel, mal eine Achsvermessung, Leitungen werden durchgeprüft und Schaltpläne rausgesucht. Genau so hatte ich mir das auch vorgestellt. Man arbeitet mit modernen Diagnosegeräten und mit dem PC, die Software liest Fehler aus und Werte ab und leitet einen durch die nächsten Arbeitsschritte. Anhand des Fehlerspeichers weiß man dann, in welche Richtung die Reparatur geht. Auch die Abgasuntersuchung läuft heute digital. Man muss sich ständig weiterbilden und weiterentwickeln und besucht dazu Lehrgänge. In der Berufsschule lernen wir auch entsprechende PC-Programme und Diagnosetools kennen. Man braucht schon auch handwerkliches Geschick und Muskelkraft, weil man ja auch anpacken muss, z.B. beim Räderwechsel müssen Reifen aus dem oberen Regal runtergeholt oder Getriebe rausgehoben werden. Aber da helfen auch die Kollegen. Mich hat es immer interessiert und ich wollte es selbst machen, das traut man mir hier auch zu. Wenn Fragen sind, kann ich mich immer an meine Ausbilder und Kollegen wenden. Es macht mir riesigen Spaß.
Außerdem bietet mir der Beruf eine tolle Perspektive. „Nach der Ausbildung“, sagen alle in meinem Bekannten- und Familienkreis, „komm, dann mach Deinen Meister hinterher!“ Im Betrieb würde ich da unterstützt werden. Ich würde das wohl auch angehen, wenn es weiter so gut läuft.
Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen ihre Chancen im Handwerk sehen? Was würden Sie anderen Frauen mit auf den Weg geben?
Das Handwerk ist spannend auch für Frauen: Es gibt so viele Möglichkeiten, vielfältige Tätigkeitsbereiche, Aufgaben und Entwicklungsperspektiven. Man kann zeigen, dass man es auch als Frau kann, und man lernt, sich durchsetzen.
Die Betriebe sollten mehr Werbung für sich machen und Frauen ansprechen, um sie für eher klassische Männerberufe zu gewinnen. Und Praktika anbieten, damit die Meinungen über die Berufe sich so verändern, dass auch Frauen sie mehr für sich entdecken. Lehrerinnen und Lehrer haben auch eine wichtige Schlüsselrolle und auch die Berufsberaterinnen und Berufsberater können motivieren. Ich finde, auch das Elternhaus hat eine Vorbildrolle.
Ich würde Frauen sagen: „Frauen, schaut es Euch doch mal an, probiert es aus, und wenn es mal nicht so gut läuft, dann haltet auch ein bisschen durch und gebt nicht sofort auf. Angehen und einfach machen. Mutig sein. Viel zugucken, aber eigentlich sich zutrauen, die Aufgaben selbst zu machen!“
Das Interview führte: Claudia Körner
Fotos: Raissa Wischnewski
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