Wirtschaftsinformatikerin

Mercedes Servin

Steckbrief

  • Alter: 32
  • Beruf: Wirtschaftsinformatikerin
  • Von Mexiko in die Huntestadt

Hermes Systeme

Wildeshausen

Das Familienunternehmen Hermes Systeme mit Sitz in Wildeshausen wurde 1985 gegründet. Ingo Hermes führt das Unternehmen, das heute über 250 Mitarbeiter*Innen beschäftigt, in zweiter Generation. Das Unternehmen entwickelt an 5 Standorten in Deutschland innovative und hochkomplexe Lösungen in der MSR- und Automatisierungstechnik für Industrie-, Schwimmbad-, Kläranlagen, Kälte-, zentrale Leittechnik und IT. Pro Jahr werden ca. 10 Personen in unterschiedlichen Berufen ausgebildet, vornehmlich in der Elektrotechnik. Der Betrieb wurde in den vergangenen Jahren mehrfach für seine herausragende Ausbildungsleistung geehrt und erhielt im Jahr 2018 den im Mittelstand begehrten „Großen Preis des Mittelstandes“.

„Jedes Projekt ist anders, man lernt jeden Tag Neues, neue Prozesse, neue Software, es wird nie langweilig“

Fünf Fragen an Mercedes Servin

1

Der Weg in einen frauenuntypischen Beruf – wie war der und wie kam es dazu?

In meinem Heimatland Mexiko habe ich Business studiert. Es gab eine große Konkurrenz und es war schwer, eine Stelle zu finden. Dann habe ich mich noch für ein Studium der Wirtschaftsinformatik entschieden. In dem Rahmen gab es die Möglichkeit ein Auslandssemester zu absolvieren. Diese Chance habe ich ergriffen und mich in Nürnberg dafür beworben. So kam ich nach Deutschland. Mit dem Master in Wirtschaftsinformatik in der Tasche habe ich über ein Jobportal die Stelle bei Hermes Systeme gefunden und bin ins kalte Wasser gesprungen. Nach dem Bewerbungsgespräch in Wildeshausen hatte ich den Job. Ich bin jetzt seit 1,5 Jahren dabei.

2

Ein Studium in einem Bereich, in dem überwiegend Männer sind, wie haben Sie das erlebt?

Im Business-Studium gab es mehr Frauen, als Männer, die Konkurrenz war groß. In der IT war es dann genau umgekehrt. Dieses Studium hat mir viele Türen geöffnet. Die Hürden waren gar nicht so groß, viele Frauen wissen das nicht.

3

Eine Frau in einer Männerdomäne: Wie haben Sie sich die Anerkennung der männlichen Kollegen gesichert? Sind Sie Klischees begegnet?

Ich bin eine von drei Frauen in der rund 20-köpfigen Abteilung „Visualisierung“ und gehe respektvoll und wertschätzend mit meinen Kolleginnen und Kollegen um. Genau das bekomme ich auch zurück. Man kann immer fragen, alle sind hilfsbereit, man wird nicht im Stich gelassen, egal, ob Mann oder Frau, das Team funktioniert. Konkurrenz zwischen Frauen und Männern, das habe ich hier im Betrieb noch nicht erlebt. Auch im Umgang mit den Kunden draußen bin ich bisher keinen Klischees begegnet. Ich zeige meine positive Ausstrahlung, agiere freundlich und respektvoll und überzeuge mit meinem Know-how, damit habe ich bisher nur gute Erfahrung gemacht.

4

Was ist das Spannende an Ihrem Beruf?

Das Arbeitsklima und die Teamarbeit ist großartig. Jedes Projekt ist anders. Ich visualisiere und programmiere die Automatisierungsprozesse, damit die Kunden Anlage bedienen und beobachten können. Bei Schwimmbädern zum Beispiel zeigt das System, wo das Wasser herkommt, wo es hingeht, wo es aufbereitet wird und welche Temperatur es hat. Ich bin am Ende des gesamten Steuerungsprozesses am Bildschirm. Auf der Baustelle gebe ich Einweisungen, und erkläre dem Kunden, wie er die Leittechnik richtig bedient. Er kann das dann von zu Hause oder vom Büro aus am Rechner machen. Um gut zu visualisieren auf so einem Leitsystem, muss man die technischen Prozesse dahinter verstehen. Jedes Mal lerne ich eine andere Software kennen. Das ist das Spannende an meinem Beruf. Man kann in vielen unterschiedlichen Bereichen arbeiten, es gibt sehr viele Möglichkeiten. Das Unternehmen bietet viele Einsatzmöglichkeiten in Office, Werkstatt oder im Außendienst. Ich stehe am Ende des Prozesses und programmiere GLT-Server (Gebäudeleittechnik). Das können intelligente Steuerungs-Prozesse in der Wasser- und Schwimmbadtechnik sein, in Kläranlagen oder in der Kältetechnik zum Beispiel. Ich fühle mich hier so richtig wohl. Die Arbeit macht mir Spaß. Das Besondere ist zuallererst das Arbeitsklima. Jedes Projekt ist anders, man lernt jeden Tag Neues, neue Prozesse, neue Software, es wird nie langweilig.

5

Was müsste sich verändern, damit mehr Frauen in diese Berufe gehen und ihre Chancen hier erkennen. Was würden Sie Frauen mit auf den Weg geben?

Das Sichtbarmachen und die Möglichkeiten im Handwerk zu zeigen, ist ein sehr guter Weg. Ich möchte Frauen empfehlen, dass sie sich trauen in diese Berufe zu gehen, es macht Spaß und es ist nie zu spät dafür. An meinem Beispiel: Eine Leittechnik ist mehr als eine technische Darstellung, es kommt auch darauf an, dass es optisch und gestalterisch ansprechend ist und toll aussieht. Insofern ist es auch in meinem Arbeitsfeld so: Das Handwerk bietet jede Menge Möglichkeiten für Frauen, auch gestalterische und kreative!

Das Interview führte: Claudia Körner
Fotos: Raissa Wischnewski

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