Regina Frerichs

Steckbrief

  • Alter: 41

  • Beruf / Berufsausbildung:
    Bankausbildung, Lehramtsstudium, Berufs- und Wirtschaftspädagogin

Fünf Fragen an Regina Frerichs

1

Wer oder was hat dich auf deinem Berufsweg geprägt?

Im ersten Schritt waren es meine Eltern. Sie haben mir die Freiheit gegeben, auszuprobieren, was ich möchte, und mir gleichzeitig den Mut vermittelt, Dinge einfach zu versuchen – auch ohne genau zu wissen, wohin sie führen. Mein Einstieg bei der Sparkasse war zum Beispiel eher zufällig, ich wollte eigentlich nur Bewerbungsgespräche üben, und irgendwie hat es gepasst.
Sehr prägend war eine Kollegin, die mir irgendwann offen gesagt hat: „Ich glaube, du wirst hier nicht glücklich.“ Das hat lange in mir nachgewirkt. Und sie hatte recht: Es war für mich rückblickend die richtige Entscheidung, die Sparkasse zu verlassen - obwohl ich die Zeit dort in positiver Erinnerung habe. Indem ich bei der Sparkasse aber auch später immer mal wieder meine Komfortzone verlassen habe, bin ich persönlich gewachsen, konnte neue Stärken und Leidenschaften entdecken und dadurch meinen Blickwinkel erweitern.

Im Studium waren es vor allem Kommilitoninnen, mit denen ich mich sehr vernetzt habe, und eine Professorin, die mir gezeigt hat, dass es auch andere Wege gibt als den klassischen Schuldienst. Durch meine Offenheit für diesen anderen Weg, habe ich spannende Erfahrungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin sammeln können. Hier habe ich ganz neue Seiten an mir kennengelernt. Im Referendariat haben mich vor allem die Kolleginnen und Kollegen geprägt, mit denen ich Ideen entwickelt habe und deren wertschätzenden konstruktiven Austausch ich geschätzt habe. Durch neue Perspektiven und Impulse war es mir möglich, meine Lehrerpersönlichkeit und auch mich selbst weiterzuentwickeln. Heute schätze ich den Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen hier am Fachgebiet. Ich bin der festen Überzeugung, dass mir dieser immer neue Blickwinkel eröffnet.

Und dann ist da noch mein Partner zu nennen, der mich in meinen Entscheidungen unterstützt und mir – wenn es erforderlich ist – den Rücken freihält. Auf diese Weise unterstützt auch er mich bei der Verwirklichung meiner Ziele.

2

Kannst du behaupten, dass du dich beruflich verwirklichen konntest?

Inzwischen ja. Ich freue mich sehr, dass ich diese Stelle habe, und habe das Gefühl, in einem Bereich tätig zu sein, in dem ich mich kontinuierlich weiterentwickeln kann. Ich liebe es, zu lernen, mich mit aktuellen Themen und Studien auseinanderzusetzen und auch in die Tiefe zu gehen – genau das ermöglicht mir meine jetzige Stelle.

Dieses Gefühl, mich verwirklichen zu können, hat mir phasenweise gefehlt. So hatte ich in meinem letzten Jahr bei der Sparkasse den Eindruck, dass meine berufliche Entwicklung stagniert und nicht in die Richtung geht, die ich mir gewünscht hätte. Auch nach dem Referendariat fehlte mir das Gefühl, angekommen zu sein.

3

Welche Schwierigkeiten oder Hindernisse hast du auf deinem Berufsweg überwunden?

Ich bin an verschiedenen Punkten an Grenzen gestoßen. Gerade zu Beginn meiner Karriere bei der Sparkasse war es die Tatsache, dass bei mir als junger Frau davon ausgegangen wurde, dass ich durch eine eventuelle Familienplanung ausfallen könnte– das hat mich bei der Erreichung meiner Ziele gebremst. Da hatten es die Männer leichter. Ich glaube einige Personen haben unterschätzt, was junge Frauen beruflichen leisten können und wollen. Dieses Unterschätztwerden hat mich allerdings motiviert, Alternativen für mich zu finden.

Und das hat mich letztendlich zum Studium gebracht. Der Entschluss fiel mir erst nicht leicht. Raus aus der unbefristeten Stelle, rein ins Ungewisse. Ich hatte schließlich keine Ahnung, ob das Studium etwas für mich ist. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Mein Referendariat habe ich dann mit zwei Kindern gemacht. Und obwohl mir das Unterrichten und der Umgang mit den Lernenden viel Spaß bereitet haben, hatte ich in dieser Zeit teilweise das Gefühl, dass ich meinen persönlichen Ansprüchen nicht genügen kann – oder den Ansprüchen anderer entscheidender Personen in dieser Zeit. Und gerade weil diese Zeit so herausfordernd war, bin ich stolz darauf, dass ich nicht aufgegeben habe und mein Ziel nicht aus dem Blick verloren habe.

Nach einiger Zeit in befristeten Stellen im schulischen Bereich habe ich beschlossen, andere berufliche Perspektiven für mich zu erkunden. Dabei habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt, welche Werte und Ziele für mich wichtig sind und wie ich meine Fähigkeiten, Stärken und Motivation sinnvoll einbringen kann. Dieser Prozess hat mir plötzlich ganz neue Wege aufgezeigt und meinen Blick geweitet.

Dass ich als Mutter kleiner Kinder nicht als ideale Kandidatin wahrgenommen wurde, zeigte sich für mich in einem Bewerbungsgespräch. Mein Wunsch nach Teilzeit sei nicht mit den Vorstellungen des Unternehmens vereinbar. Rückblickend war diese Offenheit sicher hilfreich – wir hätten wahrscheinlich wirklich nicht zusammengepasst. Aber im Bewerbungsprozess war die Aussage schon frustrierend.

4

Was muss sich ändern damit mehr Frauen ihre beruflichen Wünsche erfüllen und umsetzen können?

Ein zentraler Punkt ist, Frauen mehr zuzutrauen. Also, warum soll ich als Frau ein schlechteres Ansehen oder schlechtere Chancen haben als ein Mann? Da muss die Offenheit noch weiter wachsen und direkt von Beginn an vorhanden sein. Das fängt für mich schon früh in der Familie an und zieht sich dann durch das komplette Berufsleben. Das Motto lautet hier „klischeefrei“. Ich bin davon überzeigt, es ist sinnvoll, seine Sprache aber auch seine eigenen Zuweisungen zu den Geschlechtern zu hinterfragen. Und so lange Männer nicht gefragt werden, wer sich um das Kind/die Kinder kümmert, während sie arbeiten, sollten auch Frauen nicht mit dieser Frage behelligt werden.
Darüber hinaus müssen bestehende Rahmenbedingungen überdacht und sofern möglich angepasst werden. Flexible Arbeitszeiten und verlässliche Kinderbetreuung sind entscheidend dafür, dass Beruf und Familie vereinbar bleiben. Arbeit sollte sich stärker an den jeweiligen Lebensrealitäten orientieren. Es sollte keine Rolle spielen, ob eine Aufgabe morgens, mittags oder abends erledigt wird – entscheidend ist, dass sie erledigt wird. Natürlich gilt das nur für die Berufe, die eine entsprechende Flexibilität bieten können.

Ich habe das Glück, in einem sehr flexiblen Arbeitsumfeld zu arbeiten, in dem genau das zu großen Teilen möglich ist. Das erleichtert vieles und ist aus meiner Sicht ein echter Erfolgsfaktor.

Gleichzeitig spielt auch die Partnerschaft eine wichtige Rolle. Gleichberechtigung im Alltag – also eine faire Aufteilung von Verantwortung – ist eine wichtige Grundlage dafür, dass Frauen ihre beruflichen Ziele verfolgen können.

5

Was kannst du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Wir sollten an uns selbst glauben und uns nicht klein machen (lassen). Vor mehr als 50 Jahren haben uns die Frauen in Island schon gezeigt, dass es ohne uns Frauen nicht geht. Das sollte jede von uns im Hinterkopf haben. Und auch wenn man auf dem Arbeitsmarkt manchmal ein anderes Gefühl bekommen kann, eine Mutterschaft ist kein Manko, sondern eine Bereicherung in vielen Bereichen des Lebens. Ich persönlich denke, dass Mütter ganz andere Perspektiven einbringen, die ihnen im Beruf besondere Stärke verleihen. Wichtig finde ich auch, dass man nie das Gefühl haben sollte, beruflich Dinge zu tun, weil sie von einem als Frau oder Mutter erwartet werden. Jeder kennt sich und seine individuelle Situation am besten und weiß, was gut ist und was geht. Da sollten sich alle anderen raushalten.

Gerade in Phasen der Neuorientierung habe ich gemerkt, dass es schwierig sein kann, sich auf seine eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten zu konzentrieren. Man sollte sich nicht unterschätzen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen – durch Netzwerke, durch Austausch mit anderen und durch Menschen, die einen bestärken. Viele Chancen entstehen auch dadurch, dass man sichtbar bleibt, Interesse zeigt und im Kontakt bleibt.
Ich habe selbst erlebt, wie hilfreich es sein kann, einfach dranzubleiben, auch wenn sich nicht sofort die gewünschte Stelle oder Perspektive ergibt.
Und schließlich: den Blick bewusst auf die eigenen Stärken richten. Nicht die Frage „Was fehlt mir?“ sollte im Vordergrund stehen, sondern „Was bringe ich mit?“ Wenn man sich das klarmacht und selbstbewusst vertritt, verändert das die eigene Haltung – und oft auch die Wahrnehmung durch andere.

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